„ …schwanger zu werden dauert seine Zeit. Seid nicht enttäuscht, wenn es nicht direkt klappt. Geht das Ganze einfach völlig entspannt an!“ Nicht so bei uns. Knapp 4 Wochen nach Absetzen der Pille ist Svenja schwanger. Bäms. Frau ist doch plötzlich ein bisschen zu geschockt über das unerwartet schnelle Erfolgserlebnis. Ich, ganz Mann, bin einfach erstmal stolz auf meine Leistung; meine durchtrainierten Spermien haben offensichtlich perfekte Arbeit geleistet!
Da gerade in den ersten Monaten noch ziemlich viel passieren kann, entscheiden wir uns für’s erste, niemandem von der Schwangerschaft zu erzählen. Für Svenja keine wirkliche Herausforderung, wollte sie das Thema am liebsten totschweigen und kleinen Kindern, matschigen Marmeladenfingern und rollenden Kinderwagen den kommenden 9 Monaten aus dem Weg gehen. Für mich weniger leicht – irgendwie hatte ich da schon mehr Redebedarf. Trotzdem, stark bleiben war die Devise: an Karneval zu Cat Ballou, Kasalla und Co. ohne das Kölsch in der Hand schunkeln und das Sektchen auf Papas 50stem wird auch heimlich in die Blumen gekippt. Sowohl Svenja als auch ich. Schließlich habe auch ich, ganz der verantwortungsvolle Papa der ich einmal sein möchte, solidarisch auf Alkohol verzichtet.
Irgendwann kam dann aber doch der Zeitpunkt, wo die Frauenärztin „grünes Licht“ zur Verkündung gegeben hat und uns schlichtweg die Ausreden für den Alkoholverzicht ausgegangen sind. So viele Blasenentzündungen und daraus resultierende Antibiotikabehandlungen hat kein Mensch. An Svenjas Geburtstagsfeierei zu Kaffee und Kuchen soll dann nun endlich die Bombe platzen.
Die Kaffeetafel ist leergefegt, nur leider haben wir uns immer noch kein Herz gefasst die Nachricht zu überbringen. Ich möchte die News irgendwie in eine kleine Geschichte verpacken, Svenja am liebsten einfach nur „Wir bekommen ein Kind“ in den Raum werfen. Wie man es sich denken kann: die Frau setzt sich letzten Endes durch, oder Männer?! Ob verpackt in einer Geschichte oder einfach gerade raus – die Geheimniskrämerei hat ein Ende und die Neuigkeit ist angekommen. Spätestens beim plötzlichen Freudenschrei meiner Mutter und dem Anblick völlig verwunderter Gesichter wird es uns klar.
Ich persönlich werde diesen Moment wahrscheinlich nie vergessen. Rückwirkend war es glaube ich der Tag, der alles verändert und einen inoffiziellen Startschuss gesetzt hat. Der Wurm, so haben wir das kleine Wesen übrigens zwischenzeitlich genannt, war nicht mehr nur unser kleines Geheimnis, er ist Wirklichkeit geworden. Bisher sind wir nach der Arbeit ins Kino oder was trinken gegangen oder haben einfach auf der Couch entspannt. Jetzt besichtigen wir die umliegenden Kreissäle, informieren uns über Geburtsbegleitung und Vorbereitungskurse und überhaupt: soll es nicht so verdammt schwer sein eine Hebamme zu finden?! Ach ja und dann ist da noch diese Elternzeit und Elterngeld soll uns ja auch noch einer zahlen… das, liebe Leute, ist eine kleine Wissenschaft für sich!
Hallo Tobias,
jetzt ist es soweit!
Nicht Du verlässt morgens die Wohnung – sondern Svenja!
Nicht Covestro hält dich auf Trab – sondern Paul!
Du schaust nicht auf Bilanzen oder Tabellen – sondern auf Pauls erste Kletter- und Rutschversuche an seinem neuen Hochbett!
Das Mittagessen kommt nicht aus der Kantine – sondern von Dir. …etc.
Ich wünsche dir viel Spaß, Geduld und (hin + wieder) Ruhe während deiner Elternzeit.
Was ich dir nicht Wünsche sind Sätze wie …
„Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ …
„Armes Kind … deine Mama kommt sicher bald wieder!“ …
„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ …
„Ooohhhh, dein Papa hat dich sicher heute angezogen!?“ … oder auch …
„Das ist aber mutig von dir – du bist sicher ein toller Vater!“
Ich wünsche dir/euch einen guten Start; genießt die Zeit 🙂
Iris
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Hallo liebe Iris,
das hast du aber sehr schön formuliert. Vielen Dank für deine Nachricht. Familie und Freunde wie dich im Rücken zu haben ist ein beruhigendes Gefühl. Bald wird es neuen Lesestoff aus meiner Elternzeit geben. Es bleibt spannend 😊
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