Die letzten Aufgaben im Büro sind erledigt, der Postkorb ist aufgeräumt und die Kollegen wissen Bescheid. Jetzt gleich noch eine Runde über den Flur und sich bei allen verabschieden. Denkste! Das Handy klingelt und meine liebe Frau meldet sich am anderen Ende: Ausgesperrt, Schlüssel eingeschlossen, sie und eine Freundin sowie Paul in Eiseskälte vor dem Haus. Mein erster Gedanke: „Jetzt bloß nicht krank werden, Paul! Papa hat noch so viel vor mit dir in den nächsten Wochen.“ Ich verabschiede mich flott von meinen Kollegen und starte zwei Stündchen früher als geplant in die von mir so herbeigesehnte Elternzeit. Die Bahnfahrt zieht sich wie ein Kaugummi, mein Kopf sprudelt nur so über vor lauter Ideen, was ich alles vorhabe in der Elternzeit: Auf dem Spielplatz den Kampf um den besten Platz auf der Schaukel antreten*, wilde Tiere im Kölner Zoo bestaunen oder einfach ganz entspannt die Stunden im Café zu einem leckeren Babyccino verstreichen lassen.
All denjenigen, die sich gerade denken, dass ich mir das Ganze etwas zu rosig ausmale, denen möchte ich direkt den Wind aus den Segeln nehmen: Ich weiß, dass die Tage mit Kindern zu Hause nicht immer nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ sind. Natürlich gehören schlaflose Nächte, plärrende Dickköpfe und Beulen, die es zu pusten gilt, ebenso zum Alltag. Natürlich weiß ich das… aber lasst mich doch einfach ein bisschen Träumen.
Kommen wir noch einmal auf meine in der Kälte ausgesperrte Frau an meinem letzten Arbeitstag zurück. Erinnert ihr euch?! Ich sehe zu, dass ich so schnell wie möglich nach Hause komme und hoffe immer wieder, dass den Dreien die Quetschfrüchte nicht an den Fingern gefrieren. Da sitzen sie ganz entspannt in der nächsten Bäckerei und genießen Kaffee und Tee, den sie sich mit den letzten, zusammengekratzten Kleingeldresten gekauft haben. Noch bevor ich den Schlüssel in der Haustür umdrehe erreicht mich ein Foto von Paul bei WhatsApp, wie er genüsslich an einem Weckchen lutscht. In diesem Moment, und ich wette jeder arbeitende Papa fühlt mit mir, freue ich mich einfach nur, dass sich Svenja ab nächster Woche wieder früh morgens zur Arbeit quälen darf. Nee, was freue ich mich auf meine Elternzeit…
* Eigentlich möchte ich Euch auf diesem Blog keine Buchtipps oder ähnliches geben. Hier komme ich grade aber einfach nicht drum herum. An dieser Stelle muss das Buch „Eltern die auf Schaukeln starren“ erwähnt werden. Es werden zwar zahlreiche Klischees, aber trotzdem schmeißt man sich weg vor Lachen.