Eigentlich jeder, mit dem wir im Vorfeld oder hier vor Ort gesprochen haben, schwärmt auf eigene Art und Weise von Neuseelands wundervollen Wanderwegen. Für jeden noch so kurzen Track gibt es eine liebevoll gestaltete Broschüre inklusive Tipps von einem Einheimischen und alle erdenklichem Lookouts oder Picknick-Spots sind leicht erkennbar markiert. Aber ist das auch was für uns? Spazieren tun wir ja grundsätzlich gerne, aber eigentlich beschränken sich unsere Routen immer arg auf den Weg zur Eisdiele und zurück oder eben zu einem gemütlichen Café um die Ecke…
Meine letzte richtige Wanderung habe ich vor weit über 10 Jahren zusammen mit meinen Großeltern im Schwarzwald gemacht und von Svenja weiß ich bloß, dass sie früher mal die silberne Wandernadel für Nachwuchswanderer im Bayrischen Wald erlaufen hat! Schon damals musste man aber besonders mich mit Maoam, Haribo und Co. davon überzeugen, die Wanderung mit eigenen Kräften bestehend zu können. Nichtsdestotrotz haben wir uns Wanderschuhe zu gelegt – die sollen natürlich nicht nur zur Dekoration unseres Campingmobils dienen.
Unser auserkorenes Ziel ist der Abel Tasman Nationalpark. Für fast jeden Geschmack ist eine Wanderung dabei. Für die richtigen Abenteurer gibt es Wanderungen, bei denen man eine ganze Woche unterwegs ist. Da hätten meine Großeltern aber einen ganzen LKW Maoams mitnehmen müssen!!
Wir entscheiden uns für die 13 km lange Route, für die knapp 4 Stunden angesetzt werden. Das sollte doch machbar für uns sein! In die Hände gespuckt, Paul in die Rückentrage gesetzt und los geht es!
Wir starten an einem abgelegenen Strand mit kristallklarem Wasser. Unglaublich, wie schön das Meer ist im Vergleich zu unserem heißgeliebten, braunen Rhein.
Nach den ersten Kilometern habe ich ein etwas mulmigen Gefühl. 4 Stunden Paul auf dem Rücken haben? Unser kleiner Mann wiegt immerhin mittlerweile knapp über 14 kg. Meine Schultern brennen schon total und ich pfeife aus dem letzten Loch. Hätte ich doch mal mehr Sport in der letzten Zeit gemacht. Aber bloß nichts anmerken lassen. Bevor wir los gegangen sind habe ich noch groß rumgetönt, dass das alles kein Problem für mich wäre!
Auf der Hälfte der Strecke machen wir Rast an einer kleinen, ganz tollen Bucht. Ich bleibe freiwillig bei Paul, damit sich meine Schultern etwas entspannen können. Paul genießt derweil sein Mittagessen in aller Ruhe und Svenja kühlt sich im Wasser ab.
Die zweite Hälfte war weniger spektakulär, dennoch waren wir glücklich und auch ein bisschen stolz darüber, dass wir es ohne Probleme und auch ohne Unfall gemeistert haben. Hier sollte ich vielleicht auch mal erwähnen, dass Svenja fast den Rest der Strecke die Kraxe auf dem Rücken hatte und ich schön im Windschatten wandern konnte. Kurz vor Ankunft am Ziel habe ich dann aber doch nochmal Paul auf meine Schultern genommen – schließlich soll ja niemand denken, dass ich meine Frau den Packesel spielen lasse…