9 Monate. 9 Mal Heimat.

Seit ein paar Tagen sind wir wieder in der Heimat angekommen und wir geben unser bestes, nicht gleich wieder vom Alltag eingeholt und von Wäschebergen erschlagen zu werden. Bis jetzt schlagen wir uns glaube ich ganz gut, denn ich bin den Damen und Herren an der Supermarktkasse einfach immer ein Stückchen zu langsam und auch einen Hauch zu freundlich. Gott sei Dank, ich habe also ein bisschen der entspannten Neuseeland-Attitude eingesteckt und erfolgreich durch den deutschen Zoll geschmuggelt!
Kennt ihr das auch? Auf Reisen scheinen die Einheimischen immer etwas entspannter und die Kultur ein wenig offener zu sein als die eigene. Vieles ist einem sympathischer als zu Hause und bereits in den ersten paar Tagen nimmt man sich vor, etwas dieser Gelassenheit mit zurück nach Deutschland zu nehmen. Klappt meist eher selten und dann nicht ganz so lange wie man es gerne hätte – na ja, der Gedanke zählt.

Neben der Kiwi-Lebensweise, die mich wirklich beeindruckt hat, habe ich aber noch etwas anderes mitgebracht: Den Wunsch, meine eigene Heimat endlich auch mal so kennenzulernen, wie ich Neuseeland kennenlernen durfte. Wir haben so vieles gesehen, so viel erlebt in diesem Land, dass uns sogar die Einheimischen zeitweise beneidet haben. „Oh wow, must be great. I’ve never been.“ haben wir tatsächlich mehr als nur einmal zu hören bekommen und ich glaube, so ergeht es sehr vielen. Nicht zuletzt mir. In Deutschland, dass ich glücklich mein Zuhause nennen darf. Warum verreisen wir eigentlich so viel, wenn wir unserem eigenen Land kaum die Chance geben, seine schönsten Seiten zu präsentieren? Wir schauen uns die großen, beeindruckenden Städte an und kennen vielleicht auch das ein oder andere kulturelle Highlight. Aber kenne ich dadurch echt Deutschland?

Ich kann es mir nicht vorstellen und deswegen habe ich einen Plan für meine kleine Familie: Wir werden für den Rest diesen Jahres jeden Monat ein neues Stückchen Heimat kennenlernen. Von April bis Dezember. Da kommen noch genau 9 Monate zusammen, genau 9 Ecken unseres schönen Landes, die wir so noch nie gesehen haben. Ich meine damit gar nicht, dass wir uns von jetzt an stundenlang ins Auto oder in den Zug setzen müssen, um einmal quer durch das Land zu tingeln. Selbst in NRW und Umgebung gibt es so viel zu sehen, so viel zu machen, was wir bis jetzt noch nie angegangen sind. Nie war der Zeitpunkt besser als jetzt, das zu ändern. Unsere Reisekasse ist sowieso zu leergefegt, um uns große Flüge oder wochenlange Hotelunterkünfte spendieren zu können und auch das Urlaubstagekontingent ist angeknackst, der Elternzeit und Svenja’s Teilzeit sei Dank.

Es wird also ein bisschen weniger international werden, zumindest für den Rest des Jahres. Ich bin mal gespannt, wie lange sich Svenja mit einem Reiseführer über Deutschland zufrieden gibt. Vielleicht ja wenigstens für die kommenden 9 Monate?!

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